Das Areal des Landratsamtes tritt als gewachsenes Ensemble in Erscheinung. Zwar sind die bestehenden Amtsgebäude aus verschiedenen Epochen, jedoch lässt sich deren Verwandtschaft in Setzung, Volumen und Gestalt gut erkennen. Der Neubau ergänzt dieses Ensemble um eine weitere Zeitschicht. Mit seinem Volumen und der kompakten Gebäudeform greift er architektonische Themen des Gebäudebestandes auf. Der prägnante Kopf im Süden verankert diesen im Zentrum des Areals und orientiert sich zum bestehenden zentralen Platz. Durch seine präzise Setzung wird ein gestalteter Freiraum zwischen Amtsgebäude 2 und dem Neubau aufgespannt und die bereits bestehende öffentliche Nord-Süd Durchwegung des Areals neu ausformuliert und gestärkt. 
Für eine effiziente Anordnung der Nutzungen wird der bestehende nach Norden ansteigende Geländeverlauf genutzt. Das Sockelgeschoss wird barrierefrei vis-á-vis vom Hauptplatz in der Mitte des Areals erschlossen. Über eine repräsentative Haupttreppe und Aufzug erreicht man im Erdgeschoss die Kantine sowie einen großen variabel bespielbaren Besprechungssaal. In den Obergeschossen sind die Flächen der einzelnen Ämter horizontal angeordnet. 
Das neue Amtsgebäude wird in effizienter und konstruktiv sorgfältig ausgebildeter Hybridbauweise errichtet: Ein leichter Holzbau ruht auf einem massiven Sockel aus Recycling-Beton. Die einfache Gebäudestruktur mit klarem Stützenraster und wenig tragenden Wänden führt zu maximaler Flexibilität für den gewünschten Mix aus Büro- und Sondernutzungen. Materialbedingte konstruktive und technische Anforderungen werden genutzt und führen durch Überformung zu guten Proportionen und einem starken architektonischen Ausdruck im Gebäudeinneren. 
Der horizontale Charakter der Fassade erhält durch das Sichtbarmachen der vertikalen hölzernen Tragstruktur Gliederung und Rhythmus. Die leicht ausgestellten Brüstungselemente nehmen Vordächer, Sonnenschutz und Photovoltaik – Paneele auf. Die Fügung und Proportion der Fassade und deren Elemente gibt dem Gebäude eine handwerkliche Feinheit und greifbare Maßstäblichkeit. Die Architektur des Neubaus nimmt bewusst Ideen und Konzepte vertrauter Bauten aus der Umgebung auf und übersetzt diese in die heutige Zeit. Nachhaltige Technologien wie die Photovoltaik-Elemente werden nicht als unumgängliches Fremdwort verstanden, sondern aktiv in das Vokabular der Architektursprache aufgenommen.

Ort

Tirschenreuth, Oberpfalz

Status

Realisierungswettbewerb, 2022

Bearbeitung

Maximilian Kunze, Bastian Reisnecker, Justus Schmirler
in Zusammenarbeit mit Peter Zirkel Architekten und May Landschaftsarchitekten